Schweppermannsbote Juni 2022

18 Schweppermannsbote immer Wald ändert sich nicht oder kaum. Das liegt aber nur daran, dass Bäume älter werden als wir selber. In Wirklichkeit ändert er sich sehr wohl und langfristig. Was wir dem Wald Gutes tun, davon wird er noch zeugen, wenn uns die Würmer schon längst zu Humus gemacht haben. Ja, Humus ist die Grundlage allen Werdens. Schaffen wir ihn doch, statt ihn aus dem Wald zu räumen! Die ganz Alten werden sich vielleicht noch daran erinnern können, dass man früher nach Kahlschlag im Wald Bifäng gepflügt hat und auf die Bifäng dann die Bäumchen gepflanzt wurden. Man hat den wenigen Humus zusammengekratzt um den Bäumen wenigstens ein Anwachsen zu ermöglichen. Man darf schon aus dem Wald Holz entnehmen, aber man muss dem Wald gleichzeitig so viel wie möglich belassen, damit er sich selbst erhalten kann. Wer hier Pfennigfuchserei betreibt, fuchst diese Pfennige nur seinen Nachkommen ab und zwar mit Zins und Zinseszins. Wollen wir das wirklich? Letztes Jahr hatte ich eine Führung angeboten, wo verdorbenes Heu in den angrenzenden ausgemergelten Kiefernwald verräumt wurde. Danach wurde der ganze Wald mit Laubholz unterbaut. In dem Teil, in dem damals das Heu zu liegen kam, wuchsen die jungen Bäume fast doppelt so schnell. Hier war es Zufall. Gezielt haben das aber einige wenige Forstleute schon vor hundert Jahren gemacht und deren Erfolge sind dokumentiert. Biomasse im Wald wirkt Wunder! Wir müssen nicht mal Zeug hineinfahren, es genügt schon, wenn wir uns genau überlegen wieviel wir vertretbar darin belassen können. Damit man mich nicht falsch versteht: Ich rede ausdrücklich NICHT davon die Nutzung einzustellen. Ich rede NICHT dem Urwald das Wort. Aber ich plädiere sehr wohl für eine gezielte Humus- und Nährstoffaufbaustrategie. Jede Belassung von Biomasse im Wald ist nicht ein „faules, g`schlampertes Verkommen-lassen“ von Wald, sondern eine gezielte Investition in das Humus- und Nährstoffkapital und damit in die zukünftige Leistungsfähigkeit des Bestandes. Dabei hilft es aber nix, wenn der Harvester das ganze Ast- und Gipfelmaterial vor sich auf der Rückegasse einbaut, denn unter der Gasse sind kaum mehr aufnahmefähige Wurzeln. Was dort verfault und versickert ist größtenteils für die verbleibenden Bäume in einem nicht nutzbaren Bereich. Wohl hilft die Reisigmatratze die technische Befahrbarkeit der Gasse für schwere Forstmaschinen zu erhalten, aber für das Humus- und Nährstoffmanagement bringt es wenig. Also muss man sich dann schon ein paar Gedanken machen, wie man entweder die Biomasse gar nicht erst auf der Gasse konzentriert, oder wie man sie nachher wieder auf der Fläche verteilt. Viele Wege führen zum Gipfel eines Berges – aber das hilft nichts, wenn man gar nicht erst losgeht. In diesem Sinne: Überdenken Sie ihre bisherige Wirtschaft und machen Sie es besser als die Politiker, die keine roten Linien mehr kennen: Ziehen Sie für Sich gezielt rote Linien in Ihrer Waldbewirtschaftung. Mehr noch: Ziehen Sie für sich zusätzlich grüne Linien: Setzen Sie Sich Ziele, die Sie erreichen wollen: x ha Fläche, die Sie jedes Jahr durchforsten wollen; y Bäume, die Sie jedes Jahr pflanzen wollen; z fm Totholz/Biomasse, mit dem Sie jedes Jahr ihr Humuskapital anreichern wollen. Seien Sie ein/e fröhliche/r, aktive/r Waldbesitzer/in und machen Sie ihren Wald froh. Wer Freude verschenkt, zu dem kehrt sie mit Kindern zurück. Bei Menschen ist das nicht immer leicht – beim Wald ist das einfach. Bei beiden sollten wir es tun. Mit freundlichen Grüßen Michael Bartl Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Amberg Hockermühlstraße 53 92224 Amberg Telefon +49 9625 304 Michael.Bartl@aelf-na.bayern.de www.aelf-na.bayern.de Wer hat dich, du schöner Wald, da oben hingestellt? Es ist Anfang April, draußen weiß es nicht, ob es regnen oder schneien will und ich soll einen Artikel schreiben, der dann im Juni, quasi in den Flitterwochen des Naturjahres, gelesen werden wird (oder auch nicht?). Sowas nennt man eine Herausforderung - halt „challenge“ heißt das ja heute auf neudeutsch! Das Holz kostet (im Moment) wenigstens wieder ein bisserl was, auch das lange stiefmütterlich behandelte Brennholz erfährt zunehmend als autarke Energiequelle wieder eine Wertschätzung. Aber auch die Pflanzenpreise der Baumschulen haben gewaltig angezogen. Wenn der Witterungsverlauf wieder so wird wie 2021 wird uns der Käfer weitgehend in Ruhe lassen und wir können ein bisserl durchschnaufen. Der Haken an der Sache ist: Es bleibt dann oft beim Durchschnaufen und das notwendige zielgerichtete Entwickeln des Waldes unterbleibt. Und so ist bei vielen die Waldbewirtschaftung geprägt vom Getrieben sein durch Kalamitäten abwechselnd mit dem Nix tun. Gegen die Kalamitäten und die dadurch erzwungenen Maßnahmen können wir nichts machen, aber wenn man die Zeiten der „Nicht-Kalamitäten“ nutzt und seinen Wald gezielt entwickelt, kann man ihn so Stück für Stück widerstandsfähiger gegen Kalamitäten machen (und nebenbei auch noch Geld damit verdienen). Das heißt : Mit den Jahren werden die Kalamitäten den eigenen Wald immer weniger stark (be-)treffen, das Getriebensein nimmt ab. Man erarbeitet sich immer größere Freiräume, seinen Wald GEZIELT bewirtschaften zu können. Man verdient allein schon deshalb deutlich mehr, weil man das Holz bei guter Preislage schneidet und nicht dann, wenn einen Käfer oder Sturm dazu zwingen, ohne dass man deswegen auch nur einen Festmeter mehr nutzt. Durch gezielte Lichtstellungen kann man Naturverjüngungen im Halbschatten viel geschickter als Nachwuchs nutzen und muss keine teuren Pflanzen kaufen und pflanzen und ausmähen und nachbessern und… und… und… Die Natur macht das schon. Aber wir müssen ihr auch die Gelegenheit dazu geben! So geht intelligente Waldwirtschaft. Ein inzwischen pensionierter Kollege meinte einmal flapsig: „Wenn Du auch nur ein paar wenige Samenbäume der richtigen Mischbaumarten im Bestand hast, brauchst Du eigentlich bloß zwei Dinge tun: Holz aus dem Wald holen und Rehe aus dem Wald holen. Alles andere regelt sich fast wie von Zauberhand alleine.“ Und er hat recht! Wenn man vorausschauend durchforstet, nicht zu viel und nicht zu wenig und vor allem die richtigen Bäume aus dem Wald holt und gleichzeitig der Wildbestand so niedrig ist, dass er keine Gefahr mehr für die Mischbaumarten ist, dann beginnt Forstwirtschaft richtig Spaß zu machen!

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