Schweppermannsbote März 2024

24 Zur Not muss ich es auf einen (fichten-)waldfernen Platz fahren und dort lagern, wenn ich niemanden fin- de, der es rechtzeitig holt oder es direkt zum Sägewerk meines Vertrauens fahren (lassen). Diese Kosten sind immer noch billiger, als wie wenn ich zusätzliches schönes Holz zum Käferholzpreis verschleudern muss. Das ist bitter, aber nicht zu ändern! 2. Wenn die rechtzeitige Abholung /das Hacken schon zweifelhaft ist, dann lasse ich es gleich bis auf eine halbwegs sichere Entfernung vom Wald rücken – und wenn es 2 € mehr kostet, dann ist das immer noch besser (und billiger) als wie wenn sich der Käfer weiter durch den Wald frisst. 3. Eigenes Brennholz/Hackgut gleich sofort bis auf den Hof rücken lassen. 4. Frischholz (egal in welcher Form) dauerhaft am Waldrand lagern können wir uns künftig nicht mehr erlauben. Hier müssen wir unsere Gewohnheiten ändern, wenn wir das Verschwinden der Fichte nicht noch mehr schmerzhaft und kostenintensiv beschleunigen wollen. Und ich gebe offen zu: Da muss ich mich künftig auch mehr an der eigenen Nase packen. Ich bin da manchmal auch zu gutmütig (gewesen) – insbesondere was die Zusagen von Unternehmern anbetrifft. Ich verstehe, dass auch Unternehmer und Sägewerke nicht hexen können – das verlangt auch keiner, aber dann sollen sie es gleich sagen, dann weiß man woran man ist und kann umsteuern und das Holz so lagern, dass die darin befindlichen Käfer wenigstens keinen weiteren Schaden mehr anrichten. Liebe Wald-Fan-Gemeinde, der Winter ging ja schon gut los: Erst ein bisserl Schneebruch, gottseidank nur vereinzelt, dann Sturmwurf, auch nur vereinzelt, und ab Anfang Januar total aufgeweichte Böden. Wenn jetzt nochmal ein anständiger Sturm kommt – und Spätwinter und Vorfrühling sind DIE Sturmzeit in Mitteleuropa – dann liegen wieder mal ein paar Mio Festmeter am Boden; mit allen Konsequenzen für die Waldbesitzer und den Holzmarkt. Aber selbst, wenn wir von weiteren Wettereskapaden verschont bleiben, so war doch auffällig, dass der Sturm vor allem an den frischen Borkenkäferlöchern angepackt hat. Das ist einerseits kein Wunder: Wenn die Bestände lange dicht stehen und nicht durchforstet worden sind, gewöhnen sich die Bäume an den Schutz durch die Nachbarn, aber wenn der Nachbar dann aus welchem Grund auch immer weg ist, dann stehen sie ziemlich wackelig da. Hätte der Waldbesitzer regelmäßig durchforstet, hätten die Bäume auch eine gewisse Einzelstabilität erhalten / aufgebaut und dann wäre nichts passiert. Die gute Nachricht ist: Selbst wenn bisher an den Durchforstungen „gespart“ worden ist, so kann man doch in den meisten Fällen noch Einiges wieder gut machen. Wenn jetzt allerdings einige Damen und Herren Waldbesitzer nicht dazu kommen oder es für unnötig halten die geworfenen oder gebrochenen Bäume und Gipfel rechtzeitig zu verräumen, dann bindet sich der Borken das Latzerl um und beginnt frisch-fröhlich-fromm-und-frei sein Fraß- und Vermehrungsgeschäft. Dann erweitern sich die Käferlöcher und es gibt vielleicht auch Neue dazu, da kann dann wieder der Wind rein undsoweiterundsofort. Sie merken auf was ich hinaus will? Genau! WIR haben es weitgehend in der Hand ob und wie viel Schäden in unseren Fichtenwäldern entstehen. Zumindest können wir die Menge erheblich begrenzen und eindämmen – oder eben auch nicht. Klar: Jammern und die Schuld bei anderen (nur nicht bei sich selber) suchen ist natürlich viel leichter. Sollte sich jetzt jemand durch meine Formulierung beleidigt fühlen, dann möge er oder sie einmal nachdenken: Warum eigentlich? ENTWEDER Sie haben ihre „WaldHausaufgaben“ gemacht, dann brauchen Sie sich nicht getroffen fühlen, denn dann meine ich Sie ganz sicher nicht. Wenn Sie sich aber ertappt fühlen … Sie kennen die Redensart „Einen Schuh zieht sich nur der an, dem er auch passt“ ? Jedenfalls sage ich das nicht um irgendjemand zu beschuldigen, ein schlechtes Gewissen zu machen oder da wie ein Oberlehrer schlechte Zensuren zu verteilen, sondern ich versuche die Zusammenhänge und die eigenen Möglichkeiten der Abwehr den Waldbesitzerinnen und Waldbesitzern bewusst zu machen, aufzurütteln, wach zu machen, „Aktivität“ hervorzurufen, damit eben genau diese Leute ihren Wald schützen und bewirtschaften und neuen Schäden vorbeugen. Die Vergangenheit ist rum ums Eck – die können wir nicht mehr ändern. Aber wir können unser Verhalten für die Zukunft ändern. Nur wer glaubt, dass er bisher alles richtig gemacht hat, wird auch keine Notwendigkeit für eine Verhaltensänderung sehen. Da liegt der Hase im Pfeffer. Deswegen muss ich da ein bisschen bohren. Wenn es also gut werden soll, dann geht es konkret um 2 Dinge: 1. Bis Ende April soll alles Fichtenschadholz aus dem Wald entfernt sein. 2. Gerade an neuen Windwurf / Käferlöchern muss ab da regelmäßig alle 1-2 Wochen bis Ende September „Patrouille“ gelaufen, nach Bohrmehl / Nadelabfall / roten Kronen geschaut und bei frischem Befall sofort gehandelt werden. Mittelfristig geht es noch um 2 weitere Maßnahmen: 1. Regelmäßige Durchforstung aller jüngeren und mittelalten fichtenhaltigen Bestände um sie einerseits zu stabilisieren und andererseits zu schnellerem Dickenwachstum anzuregen, sodass sie 20 – 40 Jahre früher erntereif werden. Das ist einerseits gut für den Geldbeutel des Eigentümers und andererseits reduziert es die „Gefährdungsdauer“. Mit „Durchforstung“ meine ich übrigens NICHT die Entnahme von Dürren oder Unterständern, sondern ich rede von Hochdurchforstung. Wer nicht weiß was das ist, aber die Gefahr für seinen Wald trotzdem reduzieren will: BiWa mitmachen (siehe homepage des Amtes: www.aelfna.bayern.de) und einen Termin mit mir ausmachen. 2. Alte Fichtenbestände eben nicht wieder auf Fichte verjüngen, sondern gezielt andere widerstandsfähigere standortsgerechte Baumarten pflanzen. Dafür, dass wir von Sturm und Käfer verschont bleiben, können wir nur beten – aber dafür dass unser Wälder widerstandsfähiger werden, dafür können wir selber etwas TUN. In Afrika gibt es ein Sprichwort, das sagt: „Wenn wir die Steine heranschaffen, dann wird Gott für den Mörtel sorgen.“ In diesem Sinne wünsche ich uns und dem Wald ein gedeihliches Jahr und aktive Waldbesitzerinnen und -besitzer. Mit freundlichen Grüßen Michael Bartl Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Amberg Hockermühlstraße 53 92224 Amberg Telefon +49 9625 304 Michael.Bartl@aelf-na.bayern.de www.aelf-na.bayern.de

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