22 wieviel Feuchtigkeit und wieviel Wärme dafür zur Verfügung stehen. Steht die Luft oder ist es zugig? Ist der Boden darunter verdichtet oder locker-luftig-fluffig, wie es Waldboden eigentlich sein sollte. All das spielt eine Rolle. Ausgangsmaterial: Je enger das Stickstoff-Kohlenstoffverhältnis ist (also je mehr Stickstoff die Pflanzenreste enthalten), desto leichter tut sich das Bodenleben damit das Material zu zerlegen. Das betrifft nicht nur das Laub der Altbäume, sondern auch die „sonstige Bodenvegetation“ die ggf. vorhanden ist. Himbeere, Hasenlattich und Weidenröschen sind z.B. gut, Sauergräser, Binsen und Flechten sind eher schlecht für die unbezahlten freiwilligen Mitarbeiter im Boden. Bei den Bäumen gibt es eine Reihung (von gut zu schlecht): 1. Ahorn, Esche, Ulme, Linde, Erle 2. Birke, Elsbeere, Vogelbeere 3. Buche, Eiche, Tanne, Douglasie 4. Fichte 5. Kiefer 6. Lärche Gerade unter Lärche, aber auch Kiefer und Fichte bauen sich gerne dicke Rohhumuspolster auf, weil die Nadeln so sauer und stabil gebaut sind, dass es das Bodenleben sehr schwer hat die zu zerlegen und die darin enthaltenen Nährstoffe wieder pflanzenverfügbar zu machen. Deshalb muss zu Lärche immer und unbedingt ein dienendes Laubholz wie z.B. Linde gepflanzt werden, um den Nährstoffkreislauf wenigstens etwas in Gang zu halten. Das kommt auch langfristig der Wuchsleistung der Lärche sehr entgegen. Auch bei Kiefer und Fichte steigert Laubholzbeimischung deren Zuwachs erheblich. Aber selbst unter dichten Buchenaltbeständen (gerade auf Nordhängen) gibt es oft dicke Laubpolster, weil kaum Licht = Wärme auf den Boden dringt und die Umsetzung ankurbeln kann. Bringt man durch Durchforstung mäßig und stufenweise etwas mehr Licht auf den Boden, beginnt sich der Humus umzusetzen und er wird milder, fängischer und fruchtbarer. Junge Bäume und andere Waldbodenpflanzen tun sich leichter mit dem Keimen und allmählich wir der Waldboden grün. Entscheidend ist, dass diese Lichtgabe nicht schlagartig (Kahlhieb) erfolgt, weil sonst auch diese Umsetzung recht stürmisch abläuft und sich auch verdämmend wirkende Waldbodenpflanzen wie Reitgräser, Adlerfarn oder Brombeere, sowie Hollunder und alle möglichen anderen Arten von Sträuchern breit machen, die wiederum der Naturverjüngung das Leben schwer machen, bzw. sie sogar verhindern können. War vorher und bleibt zusätzlich der Schalenwildverbiss hoch, dann ist der Ofen ganz schnell aus. Zusätzlich werden nach schlagartiger Lichtgabe in so kurzer Zeit so viele Nährstoffe freigesetzt, dass diese von der noch nicht entwickelten Vegetation (und die Baumwurzeln des Altbestandes sind ja tot) gar nicht aufgenommen werden können und somit ungenutzt ins Grundwasser ausgewaschen werden. Kahlschlagnutzung degradiert den Standort. Bodenbearbeitung = (i.d.R. streifenweiser Abzug des Humus und Freilegung des Mineralbodens) wird gern als verjüngungseinleitende Maßnahme empfohlen. Das funktioniert auch. JEDE Baumart keimt auf Mineralboden zahlreicher als auf Humus. Aber diese „radikale Zwangsbesamung“ muss nicht sein. Wer mit niedrigen Wildbeständen, Geduld und stufenweisem Lichtgeben den Waldboden streichelt, dann wir der von selber willig, ganz ohne Unkrautgefahr, ganz ohne Mäuseproblem, ganz ohne Befahrung. Das Fatale am Wildverbiss ist, dass gerade das naschhafte Reh bevorzugt die stickstoffreichen Waldbodenpflanzen / Baumarten beäst und die sauren schwer zersetzbaren Pflanzen übrig lässt. Damit fehlt dem Bodenleben eine entscheidende Nahrungskomponente und die geregelte Humusumsetzung kommt nur sehr zögerlich in Gang. Die Verjüngung bleibt aus, wo sie vom Licht her eigentlich schon kommen sollte und dann kommt es häufig vor, dass durch kleine Ereignisse die Situation kippt und auf einmal „explodieren“ die verdämmenden Arten, bevor sich die jungen Bäumchen etablieren konnten. Grundsätzlich benötigen junge Bäume weniger Licht als die Konkurrenzflora – selbst ausgesprochene Lichtbaumarten kommen schon bei Belichtungsgraden an, wo die Konkurrenzflora zwar möglicherwiese auch schon kann, aber nur sehr zögerlich und dünn und noch nicht verdämmend wirkt. Das kann man in Zäunen mit noch reichlich Schirm aus Altbestand sehr schön beobachten, wenn man denn das Augenmerk einmal drauf legt. Was man in solchen Zäunen auch sehr schön sehen kann, wie sich mit zu-/abnehmendem Licht die Bodenvegetation und das Verhältnis Bäume – Unkraut ändert. Wer das sehen und lesen kann, der wird bei der Eingriffsstärke von Durchforstungen künftig etwas genauer überlegen ob er wirklich so viel Licht machen will oder die Entnahme nicht doch lieber auf mehrere Eingriffe zeitlich gestaffelt verteilt. Dummerweise läuft uns klimatisch gesehen die Zeit davon. Werden in dieser Phase die jungen Bäume durch Verbiss zu stark benachteiligt, gehen sie unter und bei weiterer Auflichtung übernimmt die Konkurrenzflora die Fläche und das Zeitfenster für die Verjüngung hat sich geschlossen. Dann wird es teuer und aufwändig für den Grundeigentümer dort wieder Wald zu begründen. Dann hilft oft selbst Bodenbearbeitung nicht mehr, weil der Boden voll mit Unkrautwurzeln ist und die sofort wieder austreiben und den Baumsamen keine Zeit zum Ankommen lassen. Das heißt: 1. Niedrige Wildbestände sind auch schon 15-20 Jahre vor der eigentlichen Verjüngung notwendig, damit sich eine verjüngungsfreundliche Bodengare einstellen kann. Da aber der Wald ein Mosaik aus unterschiedlichsten Baumbeständen der unterschiedlichsten Eigentümer ist, sind waldfreundlich angepasste Rehwildbestände dauerhaft und flächig notwendig. Das ist aber nichts, was man dem Reh „wegnimmt“ oder wo das Reh der Wirtschaftlichkeit „weichen“ muss, sondern das ist nur eine Reduktion der überbordenden Wildbestände auf ein natürliches Maß. Bei vielen Leuten ist quasi die „Nullung der Skala“ der Wildbestände heftig verschoben. Wer die überhöhten Wildbestände der Vergangenheit und teilweise auch noch Gegenwart für „normal“ oder gar das „Minimum“ hält, der empfindet eine Reduktion auf das „wirklich Normale“ als Zumutung und Defizit. Das ist verständlich, ändert aber weder etwas an den Fakten noch an den Notwendigkeiten. 2. Durchforstung (früh im Bestandesleben anfangen – mäßig eingreifen – aber oft wiederkommen) ist Dauer-
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