Schweppermannsbote Juni 2026

23 aufgabe. Im Idealfall alle 5 Jahre sanfte Eingriffe – keine Hau-Ruck-Aktionen. Das heißt aber auch, dass man jetzt schon AUCH die Durchforstungen nicht vernachlässigt, obwohl man momentan mit der Nutzung der überreifen oder gar abgängigen Altbestände genug zu tun hat. Wer die Durchforstungen heute vernachlässigt, schafft die Verjüngungsprobleme von morgen. Freilich ist das Arbeit – aber es ist auch Verdienst. 3. Humus nähren. Nicht alles rausfahren weil man dafür auch noch ein Fünferl bekommt oder „weil dann so schee aafgramt is“. Humus kann nur entstehen, wenn man dem Wald auch seine Streu lässt – und manchmal vielleicht auch noch ein bisserl mehr. Humus ist der Wasserspeicher der Zukunft. Selbst inaktiver Rohhumus ist nicht schlecht. Es gilt nur ihn gezielt und gesteuert zu aktivieren. Noch schlimmer ist kein Humus. Wo nix ist, kann man auch nix mehr aktivieren. 4. Flächige Befahrung ist Gift für die Bodengare. Jegliche Befahrung ist strikt auf die Gassen zu beschränken. (Problem bei Bodenbearbeitung!) 5. Geduld haben und sich Zeit nehmen den Wald genau zu beobachten. Nicht nur den eigenen – auch in anderen Wäldern, wo andere Situationen herrschen - kann man viel über Belichtung, Dauer, Entwicklung von Wald lernen. Beispiel: Am Gipfel des Dürrling steht im undurchforsteten Buchenaltbestand mit viel Laub auf dem Boden nach 17 Jahren sehr scharfer Jagd knöchel- bis kniehohe Tannennaturverjüngung. 10 Jahre lang sah man dort GAR NICHTS – und jetzt kommen sie auf einmal – nicht wie gesät, aber doch ausreichend um nennenswert im Folgebestand vertreten zu sein. Angrenzend im aufgelichteten bestand kommen sie auch, aber nicht unbedingt mehr, dafür zusätzlich Buche und Ahorn, die sie überwachsen. Und wo es noch lichter ist, dominieren Sträucher. Nochmal ein Stück weiter war die Hiebsführung des anderen Eigentümers nochmal anders, dort steht über mannshoch die Buchen, Ahorn und Ulmennaturverjüngung – aber keine Tanne mehr. Gut, damals, als das seinen Anfang nahm, war die Jagd noch nicht so weit, aber dennoch kann man dort auf kleinstem Raum die Auswirkungen unterschiedlichster Bewirtschaftung sehen.Oft helfen Fotos jedes Jahr zum selben Datum vom selben Punkt aus gemacht um zu erkennen, was sich wie wo entwickeln kann. 6. Keine Angst vor Fehlern! Wenn man die Buchstaben des Wortes „Fehler“ umstellt, dann entsteht das Wort „Helfer“. Fehler sind Helfer. Sie helfen uns zu erkennen, was stattdessen richtig ist. „Schlaue Leute machen immer neue Fehler, Dumme machen immer wieder die Selben.“ Wer aus seinen Fehlern lernt, vermeidet sie künftig. Das heißt jetzt aber nicht, dass man unbedingt jeden Fehler selber machen muss. Man darf auch aus den Fehlern / Erkenntnissen anderer lernen. Deshalb bitte nicht nur im eigenen Wald nachschauen und auf die Hinweise der Erfahrenen hören. „Man hat 3 Wege klug zu handeln: 1. durch nachdenken, das ist der Edelste, 2. durch nachahmen, das ist der Leichteste und 3. durch Erfahrung, das ist der Bitterste.“ sagte einst Lao Tse. Versuchen wir die ersten beiden Wege zu bevorzugen…. Der Waldboden ist im Wahrsten Sinne des Wortes die Grundlage auf der wir den Wald bewirtschaften – und davon ist der Humus der wichtigste Teil. In einer Handvoll Waldhumus sind mehr Lebewesen, als Menschen auf diesem Planeten. Das sind alles unbezahlte freiwillige Mitarbeiter. Schätzen wir sie wert! Wald - wie soll es langfristig weitergehen? Die Situation anderswo – und bald hier??? Schaut man ein bisschen über den eigenen Suppentellerrand hinaus, so sieht man konkret in Mittel- und Norddeutschland, dass die (alte) Fichte weitgehend verschwunden ist und die Junge jetzt nicht recht glücklich aus der Wäsche schaut. Statt dessen sieht man größere Wiederaufforstungsflächen mehr schlecht als recht mit einem Mischmasch aus Aufforstung, mehr oder minder lückiger Naturverjüngung und vor allem viel Vorwald aus Birke, Aspe & Co. entstehen. Ich mache mir so meine Gedanken, was das für den kleinen Privatwaldbesitzer bedeuten wird, wenn es auch bei uns soweit kommt. Mit etwas Glück, können wir Teile unserer Waldbestände noch geregelt nutzen und haben auch die entsprechenden Einnahmen, aber die Generation danach steht dann vor Flächen, wo viele Jahre wenig Ertrag kommen wird – ähnlich wie die Nachkriegsgeneration vor ausgeplünderten und altholzarmen Wäldern, aber riesigen Aufforstungsflächen stand. „Wenig Ertrag“ heißt nicht „kein Ertrag“! Solche Birkenjungdurchforstungen können durchaus kostendeckend oder zumindest „hausheizend“ (und damit Geld sparend, das man sonst für Strom oder andere Brennstoffe ausgeben müsste) sein. Aber man muss sich dieser Aufgabe auch bewusst sein und sie annehmen, denn sich diesen Herausforderungen verweigern würde bedeuten, dass die Entwicklung des Bestandes weit weniger positiv verläuft als sie könnte und das wirkt sich später erheblich einnahmenmindernd aus. Eine Jungdurchforstung hat als wichtigsten Zweck die Bestandsentwicklung zu optimieren und erst in zweiter Linie den (positiven Neben-)Effekt der Einnahmenerzielung. DAS ist aber wichtig, dass sich die jetzige und die kommende Generation dieser Zusammenhänge bewusst sind und nicht sagen: „Was? Der Wald wirft nicht mehr so viel ab wie in den letzten Jahren? Dann ist er unrentabel, dann mach ich nix, oder verkaufe ihn sogar!“ Nein, hier muss man langfristig denken, für den Ertrag der Altbestände dankbar sein und sich seiner Verantwortung gegenüber den Kindern und Enkeln bewusst werden (und denen das auch weitersagen) dass man auch magere(re) Jahre durchhält, nicht den Mut und die Zuversicht verliert, sondern bewusst die Fackel weiterträgt und an die nächste Generation übergibt, die dann schon wieder mehr Einnahmen haben wird. „… Was uns Not ist, uns zum Heil, wards gegründet von den Vätern, aber das ist unser Teil, dass wir gründen für die Spätern…“ heißt es in dem Gedicht „Aus dem Walde“ von Emanuel Geibl. Wer verwöhnt und anspruchsvoll achtlos über Bord wirft, was nicht sofort Lustbarkeit und Rendite abwirft, der handelt unklug. Viel geschickter ist es weiter zu blicken, die Chancen und Möglichkeiten der Gegenwart zu suchen und zu nutzen, dass es in 10 oder 20 oder vielleicht auch erst 30 Jahren wieder besser wird. Wald ist ein Langläufer. Wald ist eine Abkürzung für „W-ir A-alle L-eben D-avon“. Das gilt für Kommunen genauso wie für Häusler, für Großbauern genauso wie für Kleinbauern oder Eigenjagdbesitzer. Waldbesitzer „besitzen“ Wald nicht! Sie haben ihn nur treuhänderisch von den Eltern bekommen und es ist ihre Aufgabe (ob sie wollen oder nicht, ob es nun Spaß macht oder nicht, ob er nun viel abwirft oder wenig) ihn bestmöglich verwaltet an die Kinder und Enkel weiterzugeben. Fast hätte ich geschrieben „verdammte Pflicht und Schuldigkeit“ aber das wäre zu negativ – selbst wenn ich wenig Ertrag aus einem Wald erwirtschafte, weil er einfach nicht in einem „fetten“ Zustand ist, so kann ich doch viel Freude und Ehrfurcht, Dankbarkeit und Genuss in und mit ihm empfinden.

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