Schweppermannsbote Dezember 2023

9 sität skeptisch sind. Solche Prozesse brauchen Aufklärung, Öffentlichkeitsarbeit und Abstimmung zwischen den Partnern. Im Markt Kastl ist es durch eigene Maßnahmen gelungen, die CO2-Emissionen zu senken, ganz nach dem Motto der Kastler Aktionstage: Sehen-Anfassen-Tun. Der Naturpark Hirschwald unterstützt dieses Vorhaben mit diversen Aktionen wie z.B. Obstbaumpflanzungen, Heckenpflege, Vogelnistkästen, Humusuntersuchungen und Bildungsangeboten für Schulen und Kindergärten. Unter dem Motto „Sehen, Anfassen und Tun“, packten Lehrer, Schülerinnen und Schüler z.B. bei Lehrveranstaltungen in Kastl-Mennersberg kräftig bei der Heckenpflege an. Auch die Erstellung und Pflege von sog. Streuobstwiesen dient der Biodiversität und Erhaltung seltener Obstsorten und macht solche Flächen ökologisch wertvoller. Deshalb werden diese Projekte fortgesetzt, so der Bürgermeister Stefan Braun und ist offen für weitere Interessierte, Landwirte, Kommunen, Unternehmer und Finanzdienstleister, damit der CO2 Abdruck im Sinn des Klimawandels verringert wird. Klimaneutralität und Biodiversität in der Praxis Kommunen, Unternehmen & Landwirte aus Mittelfranken und der Oberpfalz zeigen lokales Handeln Mitte Juli haben sich die Akteure aus dem Projekt „Klimalandwirtschaft“ aus Kastl und dem Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen in Triesdorf zum Projekttag „Klimaneutralität und Biodiversitätssteigerung“ getroffen. Im Mittelpunkt standen Erfahrungsaustausch und erste Bilanzierung nach eineinhalb Jahren Projektlaufzeit. Das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten fördert das Projekt, das in Triesdorf am Fachzentrum für Energie und Landtechnik (FEL) als Projektträger umgesetzt wird. Ziel ist es, sowohl Kommunen und Unternehmen als auch die beteiligten Landwirte auf dem Weg hin zur Klimaneutralität, sowie bei Erhalt und Erhöhung der Biodiversität auf deren Flächen zu unterstützen. Unterstützten den Kastler Bürgermeister Stefan Braun bei seiner „Schwerstarbeit“ , dem Pflanzen eines Obstbaumes. Von li. Jonas Nelhiebl (Ranger des Naturparks Hirschwald, Schwerstarbeiter Stefan Braun (Bürgermeister Markt Kastl) Hubert Blödt (3. Bürgermeister Kümmersbruck) Erwin Geitner (Bürgermeister Markt Rieden) Markus Dollacker (Naturparkvorsitzender), Erich Meidinger (Bürgermeister Ebermannsdorf), Dominik Sachsenhauser (Marktrat Hahnbach) Albert Geitner (Bürgermeister Ursensollen), Peter Braun (Bürgermeister Markt Schmidmühlen) Sabine Müller (2. Bürgermeisterin Ensdorf) und Christian Schmid (Bürgermeister Stadt Velburg) Neben den eigenen Maßnahmen zur Emissionserfassung und -reduktion ist ein Kooperationsmodell zwischen Kommunen bzw. Unternehmen und Landwirten das Herzstück des Projekts. Mit regionalen Partnerschaften werden dabei freiwillige Wertschöpfungspakete für Biodiversität und Klimaschutz geschnürt. Franziska Sippl, die das Projekt am FEL betreut, gab einen Einblick in ihre Arbeit und die bisherigen Ergebnisse. In der Oberpfalz starteten im Mai 2021 die Marktgemeinde Kastl als Kommune, ein Pharmaunternehmen und drei Landwirte ihre Patenschaften. Im Landkreis WeißenburgGunzenhausen begannen im Sommer 2022 neun Kommunen, elf Unternehmen und fünf Landwirte ihre Kooperation. Dabei wurden viele verschiedene Aktivitäten umgesetzt: Neben einem Bildungsprogramm reichen sie von Emissionserfassung und -reduktion durch Klimaschutzmaßnahmen über die Speicherung von CO2 bis hin zu Biodiversitätsmaßnahmen. Um die Besonderheiten der heimischen Flora und Fauna zu beachten, wird das Projektteam von lokalen Naturschutzeinrichtungen und -verbänden unterstützt, z.B. Landschaftspflegeverband Mittelfranken und Naturpark Hirschwald. Die BayWa AG tritt als Mittler zwischen den Paten und Landwirten auf, kümmert sich um Verträge, Bodenbeprobungen zum Nachweis von Veränderungen des Humusstatus und die Anerkennung von Nachhaltigkeitszertifikaten. Kurt Herbinger, Projektleiter der BayWa AG, zog für die Patenschaften im Landkreis Weißenburg- Gunzenhausen Bilanz. Dort ist es mit den beteiligten Landwirten gelungen, etwa 360 ha unter Vertrag zu nehmen. Herbinger hatte zudem gute Nachrichten für die Projektpartner: Im März 2023 ist es der BayWa AG mit der QAL-Umweltgutachter GmbH gelungen, die erste Zertifizierung zu bekommen. Die Paten werden noch im Laufe des Jahres die entsprechenden Urkunden in Händen halten können. Damit können die Landwirte die Optionen der CO2 Senken endlich auch sichtbar machen und die Paten können mit den Zertifikaten ihr Nachhaltigkeitsengagement dokumentieren. Zu den Projekterfahrungen aus Sicht eines Landwirts sprach stellvertretend Norbert Bleisteiner (Kastl/Oberpfalz). Die Beteiligung am Projekt gründet für ihn auf drei Aspekten: 1. Gewinnung von Image durch Maßnahmen zur Steigerung der Biodiversität und Öffentlichkeitsarbeit. Nach Aktionstagen zur Heckenpflege und Kontakt mit Bürgerinnen und Bürgern erfährt er heute mehr Verständnis und Wertschätzung für seine Arbeit. 2. Aus pflanzenbaulicher Sicht ist es für ihn interessant, dass seine Betriebsflächen systematisch auf Humusgehalte beprobt werden und er die Auswirkungen seiner landwirtschaftlichen Maßnahmen beobachten und Folgen nachvollziehen kann. 3. Aus ökonomischer Sicht ist die Patenschaft aktuell noch nicht so interessant. Da muss die Zukunft erst noch zeigen, ob sich eine angemessene Entschädigung des Aufwands für Arbeit und Dokumentation auch finanziell realisieren lässt. Landwirt Johannes Hüttner (Amberg/Oberpfalz) bestätigte Bleisteiner und brachte eine weitere Herausforderung in die Diskussion ein: In der Praxis sei die Umsetzung von Biodiversitätsmaßnahmen am Wegrand (z.B. Heckenpflege) schwierig. Es würden schnell Unstimmigkeiten über Besitzverhältnisse und Zuständigkeiten von Hecken und Bäumen aufkommen. Viele Eigentümer schrecken vor neuen Pflanzungen zurück. Gepflanzt ist schnell, doch wer übernimmt die langfristige Pflege und Erhaltung?

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