Schweppermannsbote Juni 2025

20 ganze Jahr über machen, aber die Baumarten und die „Licht-von-oben-Verhältnisse“ erkenne ich am leichtesten wenn das Laub dran ist. Klassischerweise ist das September / Oktober, weil man da auch umgeschnittene Fichten liegen lassen kann ohne den Käfer fürchten zu müssen. Wie schnell die einzelnen Baumarten in Relation zueinander wachsen, das hängt vom Standort, Lichtangebot und dem Lichtbedarf der jeweiligen Baumarten ab und kann nicht pauschal beantwortet werden. Aber das kann jeder von Ihnen in seinem Wald selber entdecken. Man muss sich nur die letzten 3-4 Jahrestriebe der direkt nebeneinander stehenden Bäume unterschiedlicher Arten anschauen. Dann sieht man, wer hier ganz konkret an diesem Fleck die Nase vorn hat und wer wen in nächster Zeit überwachsen und damit ausdunkeln und verdrängen wird. Wenn da das IST zu weit vom SOLL abweicht, muss man eingreifen – und zwar bald! Wie? Zum einen durch Entnahme der zu vielen vorwüchsigen Exemplare der dominanten Baumart und zum zweiten durch…  … das Beobachten des Lichtbedarfs und ggf. Nachlichten im Altbestand (sollte noch einer drüber stehen). Auch die beste Zurücknahme der Nachbarbäumchen hilft nicht viel, wenn von oben her für die gewünschte (re) Baumart zu wenig durch das Kronendach der Altbäume (im Sommer ! MIT Laub!) durchkommt. Buche und Fichte machen weit mehr Schatten als Lärche oder Kiefer! Hier muss man sich entscheiden ob, wen und wie viel man aus dem Altbestand entnimmt um die Jugend zu fördern. Auch hier darf man nicht zu lange warten. Baumarten, die schon in der Jugend viel Licht brauchen sind z.B.: Eiche, Walnuss, Lärche, Douglasie, Kiefer, Birke, Kirsche, Erle,… Baumarten, die in der Jugend ein bisschen Schatten ertragen sind z.B. sämtliche Ahornarten, Elsbeere, Ulme, Linde, Hainbuche, Fichte. Baumarten, die in der Jugend auch länger viel Schatten ertragen sind Buche, Tanne, Eibe. Die Krux an der Sache ist, dass wenn eine Baumart im Nachwuchs erst einmal unterdrückt oder gar ausgedunkelt worden ist, dann ist sie für den Rest des Bestandeslebens fort. Das ist nicht mehr rückgängig machbar! Einmal tot = immer tot. Deshalb ist es so wichtig diese Bestände in kurzen Abständen (3 Jahre) immer wieder genau anzuschauen und bei den ersten Anzeichen von Benachteiligung einer gewünschten Baumart gegenüber den Anderen sofort einzugreifen. Je früher man das merkt und je konsequenter man steuert, desto weniger muss man tun. Mein alter Ausbilder nannte das augenzwinkernd „qualifiziertes Zuschauen“ – und da hatte er gar nicht so unrecht. Die meiste Arbeit ist das aufmerksame Beobachten. Und genau das wird oft im Privatwald verschlafen. Man ist froh, dass man nicht mehr ausgrasen muss, den Zaun abgebaut hat und denkt sich: „Bis da mal a Papierholz/Brennholz rauskommt, des dauert no zwanzg Joar. Dawal, kann i mi um andane Sachn kümmern.“ Sprachs und ward die nächsten 20 Jahre in dem Bestand nicht mehr gesehen. Und als er nach 20 Jahren wiederkam, ward das Gesicht lang und länger und die Enttäuschung groß, weil sich der Bestand ganz anders entwickelt hatte als erwartet / erhofft. „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.“ (Michail Gorbatschow). Vielleicht wird es auch deshalb vernachlässigt oder gering geschätzt, weil das entnommene Material nicht verwertbar ist. Umschneiden und liegen lassen … dagegen sträubt sich der oberpfälzer Sparsamkeitssinn – aber gar nix machen richtet noch mehr Schaden an! Manchmal muss man dem Wald auch was (be)lassen können. Mit freundlichen Grüßen Michael Bartl Forstrevier Kastl Von selber anfliegen lassen oder Anpflanzen – das ist hier die Frage! Viele Waldbesitzer machen Holz, manchmal aus Eigeninitiative und manchmal weil es der Käfer ihnen so ins Stammbuch schreibt. Und wo Bäume wegkommen, da sollten danach auch wieder welche hin. Erstens schon mal aus Anstand gegenüber den eigenen Nachfahren – schließlich hat der (Ur-)Opa ja damals auch nicht gewusst, dass es die jetzigen Besitzer einmal geben wird und die den Wald auch bewirtschaften werden. Genauso ist es auch unsere Schuldigkeit das für unsere Nachkommen zu tun, auch wenn es im ein oder anderen Fall vielleicht nicht so ausschaut, als ob die oder deren Kinder das mal weitermachen werden. Denn das hat der Uropa ja damals auch nicht wissen können. Außerdem kommt es erstens anders und zweitens als man denkt! Zum Zweiten ist der Wald als Ganzes ein kaum zu überschätzender Faktor für die Lebensqualität und Leistungsfähigkeit unserer Landschaft. Das geht vom Grundwasser (unserem wichtigsten Nahrungsmittel!!!) los, über Nahrungsquelle (Pilze, Beeren, Bucheckern, Wildpret), Heilkräuter, Bauholz, Brennholz bis hin zum Hochwasserschutz und Erholungswert. Ich kenne keinen, der im Maisacker spazieren geht, aber ich kenne sehr viele, die im Wald wieder von der Hektomatikpalme herunterkommen auf die sie unsere Gesellschaft gejagt hat und einen klaren Kopf bekommen. Das sagt sich so leicht und manche lächeln, aber erst der Verlust belehrt uns über den Wert der Dinge und viele die das nicht glauben, sollten vielleicht mal wirklich ihre Sorgen und Hoffnungen bei einer kleinen Wanderung quer durch die Wälder bedenken, dann würden sie vielleicht anderer Meinung werden. „… Mit Bäumen kann man wie mit Brüdern reden und tauscht bei ihnen seine Seele um. Die Wälder schweigen, doch sie sind nicht stumm – und wer auch kommen mag, sie trösten jeden….“ heißt es in einem Gedicht von Rilke. Dieses Erlebnis ist nicht käuflich, das kann man nicht streamen, sondern das kann man nur erfahren, erwandern. Kostenlos, aber nicht umsonst – und doch unbezahlbar. Und damit das alles bleibt, gibt es in unserem ansonsten sehr liberalen Waldgesetz die Vorschrift, dass jede kahl geschlagene Fläche binnen 3 Jahren wieder aufzuforsten ist, bzw. unvollständig gebliebene Verjüngung spätestens nach 5 Jahren zu ergänzen ist. Jeder Eigentümer hat dazu also sein Schärflein beizutragen. Nun gibt es zwei unterschiedliche Situationen: 1. Der Wald ist zwar mehr oder minder aufgelichtet, dass es für junge Bäume langt aber noch nicht so stark, dass das Unkraut überhand nimmt. Hier KANN man auf Naturverjüngung durch natürlichen Samenabfall der Altbäume setzen. Aber man sollte bedenken, dass a) nur solche Baumarten anfliegen können, die auch irgendwo im Altbestand vertreten sind – von einer Fichte fallen nunmal keine kleinen Elsbeeren herunter. Das ist nun wirklich zu viel verlangt! b) Der Wildbestand (Reh, Hase, Hirsch) im Rahmen sein muss, damit die kleinen Bäume - vor allem der klimatoleranten Baumarten! - auch an - (und durch-!!!) -wachsen können – zur Not brauchts einen Zaun. Aber eigentlich sollte der laut Gesetzeslage nicht erforderlich sein. Man kann aber auch statt dessen – oder zusätzlich – Baumarten pflanzen, wo eben keine passenden Samenbäume in der Nähe stehen. Das wird besonders in Zeiten des Klimawandels akut, wo unsere 08/15Baumarten wie Fichte und Kiefer – und irgendwann auch die Buche – Schwierigkeiten bekommen.

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